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Grachtenrundfahrt in Amsterdam – Teil 2


Waalseilandgracht, Oudeschans und Keizersbrug


An der Ecke Waalseilandgracht / Oudeschans steht der 48 Meter hohe Montelbaanstoren, ein historischer Turm aus dem Jahr 1516. Ursprünglich gehörte er – d.h. der untere Teil – zur Amsterdamer Stadtmauer. Der weiße Teil, die markante hölzerne Turmspitze im Renaissancestil wurde erst 1606 von Hendrick de Keyser draufgesetzt.

Vor dem Turm sieht man eines jener prächtig geschmückten „Aperol-Spritz-Boote“. Das sind im Grunde keine klassischen Grachtenrundfahrten, sondern eher „Drink-Cruises“, wo vor allem Stimmung, Lifestyle und lockere Atmosphäre im Vordergrund stehen. Im Hintergrund sieht man noch immer – in Weiß – die vier gemauerte Leitpfeiler der Kikkerbilssluis und dahinter immer noch den grünen „Schiffsbug“ des NEMO Science Museums. Wir sind jetzt unter der Keizersbrug hindurch und werden noch immer vom Aperol-Spritz-Boot verfolgt. Hinweise auf echte Piraterie liegen derzeit aber nicht vor – höchstens auf einen geplanten Überfall mit Aperol Spritz, Musik und unerwartet guter Stimmung.

Vor der Sint-Antoniussluis bin ich noch der Inbegriff unbeschwerter Reiselust: lachend im Sonnenlicht, an Bord einer Grachtenrundfahrt.

Sekunden gibt es mich nur noch als Silhouette mit quer vor meinem Körper explodierenden Regenbogenfarben. Ich hoffe sehr, dass diese Erscheinung nur an Susannes unzureichender Aufnahme-Ausrüstung liegt – sie fotografiert ja mit dem Handy. Acht Minuten später sind wir dann an der Nationalen Opera, einem Haus für hochkarätige Opern- und Ballettaufführungen. Was dort im Haus passiert, weiß ich nicht, hier draußen aber sieht es so aus, als würde eine Stockentenmama in der Rolle der Ballettmeisterin gerade ihren Nachwuchs für „Schwanensee“ anleiten.“

Keine 100 Meter weiter fahren wir unter der architektonisch auffälligen Blauwbrug hindurch. Im Gegensatz zu den anderen Brücken, die eher funktional waren, ist sie – mit reich verzierten Laternen, Ornamenten und weißen Steinbögen eher eine Vorzeigebrücke im Stil französischer Prunkbrücken.

Wegen ihrer Lage und Optik wird sie oft als das typische Film-Gesicht von Amsterdam vermarktet, praktisch wie in Deutschland das Hofbräuhaus oder das Brandenburger Tor. Den Namen „blau“ hat sie übrigens von einer ihrer damals noch hölzernen Vorgänger-Brücken, die tatsächlich blau angestrichen gewesen sein sollLinks von uns liegt nun die 1972 errichtete Walter Süskindbrug, benannt nach Walter Süskind, der im Zweiten Weltkrieg Hunderte jüdische Kinder vor der Deportation rettete. Sie ist ganz bewusst im Stil der Mageren Brugg entworfen, und wird deshalb sehr oft mit dem 1934 renovierten Original verwechselt. Aber: Die Magere Brugg überspannt die Amstel, die Walter Süskindbrug überspannt die Nieuwe Herengracht, einen Seitenkanal der Amstel.

Auch wenn beide weiße, hölzerne Doppelzugbrücken (Holländerbrücken) sind und sie sich in der Größe nichts geben, kann man die Süskindbrug aber ganz eindeutig an dem rechts neben der Brücke liegenden roten Haus mit dem Türmchen auf dem Dach erkennen.


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